Die Besetzung von »Beethoven 7« gratulierte Sasha Waltz nach einer der Vorstellungen am letzten Wochenende in Berlin zum Deutschen Tanzpreis.
Sasha Waltz erhält den Deutschen Tanzpreis

Sasha Waltz erhält den Deutschen Tanzpreis

Die Preisverleihung findet im Rahmen einer Tanz-Gala am 12. Oktober im Aalto-Theater Essen statt.

Die Choreographin, Tänzerin und Regisseurin Sasha Waltz wird für ihre internationale Strahlkraft, ihr Engagement für die Strukturen der freien Tanzszene und allem voran für ihr künstlerisch einmaliges und genreübergreifendes Gesamtwerk mit dem Deutschen Tanzpreis 2024 ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet im Rahmen einer vielseitigen Tanz-Gala am Samstag, den 12. Oktober um 19 Uhr im Aalto-Theater Essen statt – ausgerichtet vom Dachverband Tanz Deutschland.


Gerade hatte das internationale Publikum zur Eröffnung der Osterfestspiele Salzburg die Gelegenheit, die Uraufführung der »Johannes-Passion« zu erleben, Waltz' neueste Arbeit zur Musik von Johann Sebastian Bach. Das Berliner Publikum kann sich in den kommenden Tagen auf »Beethoven 7« im Radialsystem sowie vom 27. bis 30. Juni 2024 auf eine Wiederaufnahme des dreiteiligen Abends »Sacre« zur Musik Igor Stravinskys am Haus der Berliner Festspiele freuen.


Die Begründung der Jury zur Auszeichnung: »Als Tänzerin, Choreographin und Regisseurin, deren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in Berlin verortet ist, hat sie mit ihrer Kunst die Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes seit Beginn der neunziger Jahre maßgeblich mitgeprägt. Dabei hat sie ihre unverwechselbare choreographische Handschrift und ihren ästhetischen Zugriff bis heute weiterentwickelt. Sasha Waltz ist unbestritten national und international eine der renommiertesten Künstlerinnen im Bereich des Tanzes in Deutschland. […] In enger Zusammenarbeit mit ihrem Lebens- und Arbeitspartner Jochen Sandig hat sie dem Tanz immer wieder neue Räume erschlossen, u.a. durch die Gründung der Sophiensæle (1996) und des Radialsystems (2006), und national sowie international neue Publika für den Tanz gewonnen. Mit ‚Sasha Waltz & Guests‘ wurde eine Kompaniestruktur geschaffen, die der Künstlerin große internationale Kooperationen genauso ermöglicht wie das Experimentieren mit neuen Formen und in der auch Tänzer:innen der Kompanie in ihrer Kreativität gefördert werden.«


Sasha Waltz studierte Tanz und Choreographie in Amsterdam und New York. Gemeinsam mit Jochen Sandig gründete sie 1993 die Compagnie Sasha Waltz & Guests. Sie ist Mitbegründerin der Sophiensæle (1996) sowie des Radialsystems (2006) in Berlin. Von 2000-2004 war sie Mitglied der Leitung der Schaubühne am Lehniner Platz. Für die Spielzeit 2019/20 übernahm Sasha Waltz gemeinsam mit Johannes Öhman die Intendanz des Staatsballetts Berlin. Die Erschließung innovativer, spartenübergreifender Aufführungs- und Kreationsformen ist ein wichtiger Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit, in der sie einen Bogen von international bekannten Tanzstücken wie die »Travelogue«-Trilogie (1993-95) oder »Körper« (2000) über choreographierte Opern (u.a. »Dido & Aeneas«, 2005) bis hin zu forschenden Dialoge-Projekten (z.B. »Dialoge 09 – Neues Museum«) schlägt. Ein zentrales Moment ihrer gegenwärtigen choreographischen Arbeit ist die Verschmelzung von Choreographie und Musik (u.a. »SYM-PHONIE MMXX«, 2022 oder »Beethoven 7«, 2023). Im Frühjahr 2024 widmete sich Sasha Waltz anlässlich des 300. Jubiläums der Uraufführung Johann Sebastian Bachs »Johannes-Passion« (BWV 245). Die Produktion der Opéra de Dijon in Koproduktion mit Sasha Waltz & Guests und dem Théâtre des Champs-Élysées eröffnete am 22. März 2024 die Osterfestspiele Salzburg.

Parallel engagiert Sasha Waltz sich für den Transfer tänzerischen Wissens und den Tanz als Medium der sozialen und gesellschaftspolitischen Verständigung. Im Jahr 2021 entwickelte sie die Arbeit »In C«, basierend auf Terry Rileys gleichnamiger revolutionärer und offener Komposition, die seither nicht nur erfolgreich national und international aufgeführt wird, sondern sich auch zu einem eigenen System mit wachsender Community entwickelt hat. Das Werk besteht aus 53 choreographischen Figuren, die in Video-Tutorials festgehalten wurden, welche einen einfachen Wissenstransfer ermöglichen. Es entstanden und entstehen aus dem Material heraus weltweit partizipative, diverse, internationale und nachhaltige »In C«-Projekte, Workshop-Formate und immer neue Strukturen.

Seit Juni 2013 ist Sasha Waltz Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Im Jahr 2021 wurde sie vom französischen Kulturministerium zum »Commandeur de l’ordre des Arts et des Lettres« ernannt.