Speck, Kaffee und Gurken – Frühstück in Vilnius

Ein Spaziergang über die Märkte von Vilnius: viele bunte Stoffe, Tapeten, Blumen, Stapel von Fleisch, Speck und Fisch, getürmtes Obst, dunkles Brot und Gemüse.

Die kulinarischen Besonderheiten der litauischen Küche erzählen auch etwas über die Geschichte des Landes. Wikipedia weiß folgendes zu berichten: »Die örtlichen Traditionen spielte in der alten litauischen Küche ebenso eine große Rolle wie solche aus Russland und Polen. Die Gerichte aus den östlichen Ländern kamen nach Litauen während der Verbindung mit der sogenannten Goldenen Horde. Unter diesen Umständen kamen zum Beispiel Armenier ins Land, die solch litauische Gerichte brachten, wie Balandėliai (Täubchen = Kohlroulade), Koldūnai (Teigtaschen mit Fleischfüllung = Pelmeni), Virtiniai (eine Ravioli-Art = Vareniki), Fischeintöpfe mit Gemüse und vieles mehr. Im Zeitraum vom 16. bis 18. Jh. verschmolz die litauische Küche mit der polnischen. Es entstand eine reichhaltige Küche Polen-Litauens, die sich in weiten Teilen Europas verbreitete. Lebensmittel wie Honig oder Wild waren in dieser Zeit gebräuchlich. Litauen war das einzige europäische Land, in dem Menschen z.B. mit Honig ihren Tribut zahlen konnten. Die damalige Elite aß solche Besonderheiten wie gebratene Schwäneund geräucherten Rücken vom Bären. Die Nachspeisen von Polen-Litauen waren ebenfalls sehr üppig: zum Beispiel der litauische Baumkuchen Šakotis, Žagarėliai (Angel wings) und Skruzdėlynas. Damals waren diese Süßigkeiten in ganz Europa bekannt. Im 19. Jh. verschwanden Gerichte der alten litauische Küche in Litauen vollkommen. In der polnischen Küche waren sie dagegen zum Großteil fest verankert. In Litauen findet man heute nur noch Fragmente der alten litauischen Küche.
Die neue litauische Küche blieb bis zum 19. Jh. mit den nötigsten Produkten und Gerichten einfach. Trotzdem stand sie in Beziehung zur alten litauischen Küche, von der sie zum Beispiel die alten Räuchertechniken übernahm. Die Räuchertradition wurde weiterentwickelt, es wurden unterschiedliche Holzarten verwendet. So wurde auch das langsame Räuchern erfunden. Auf diese Art formten sich verschiedene Räucherspeisen wie Wurst, Salo, Schinken, Räucherfisch usw. Die neue litauische Küche spezialisierte sich auf Zwischenmahlzeiten, was für litauische Bauern äußerst praktisch war, da sie kaum Zeit für die Zubereitung hatten. Charakteristisch war für die neue litauische Küche auch die Einführung der Kartoffel im 18. Jh., als sich in der deutschen Küche die Knolle immer mehr verbreitete.«
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Litauische_Küche

Von Molière stammt: »Mais quand j“ai bien mangé, mon âme est ferme à tout, et les plus grands revers n“en viendraient pas à bout.« (auf Deutsch in etwa: »Wenn ich gut gegessen habe, ist meine Seele stark und unerschütterlich; daran kann auch der schwerste Schicksalsschlag nichts ändern.«) Man kann die Bedeutung der Essensgewohnheiten und -besonderheiten einer Nation oder Region also fast nicht hoch genug einschätzen!

Ein Frühstücksgespräch direkt aus dem Frühstücksraum des Hotels.
(Es ist allerdings in der Tat ziemlich früh für ein Interview.)

Aber wie heißt es so schön in dem bulgarischen Sprichwort: »Nimm einen großen Bissen, aber sprich kein großes Wort.«
Claudia hingegen scheint schon ein bisschen wacher:

Geras apetitas, Claudia, Virgis und Davide!
Der zweite Kaffee folgt ohne Kamera. »Prašome nesivarginkit valgyti!« Das ist kein echtes Sprichwort, aber in gewissen Situationen nützlich. Es bedeutet ungefähr: Bitte nicht beim Essen stören. Ein weiteres, kluges Wort aus Litauen:
»Der Stein, der an einem Platz bleibt, wird mit Moos bedeckt.«
Wir setzen kein Moos an. Nach vier Tagen reisen wir zurück.