»Sacre« at Sadler’s Wells in London!

Sasha Waltz & Guests freut sich auf den dreiteiligen »Sacre«-Abend im Sadler”s Wells Theatre in London vom 11.-13. November 2015!

SACRE
Sasha Waltz

Ein Abend in drei Teilen

L’Après-midi d’un faune
Eine Choreographie von Sasha Waltz
Zu Claude Debussys sinfonischer Dichtung
»Prélude à l’après-midi d’un faune«

Scène d’Amour
Eine Choreographie von Sasha Waltz
aus »Roméo et Juliette«
Zu Hector Berlioz’ dramatischer Sinfonie
»Roméo et Juliette«

Sacre
Eine Choreographie von Sasha Waltz
zu Igor Strawinskys Ballettmusik
»Le Sacre du printemps«

Letzte Karten gibt es unter: http://www.sadlerswells.com/whats-on/2015/sasha-waltz-and-guests-sacre/

Sacre © Bernd Uhlig

© Bernd Uhlig

Sacre
Eine Choreographie von Sasha Waltz
mit Musik von Igor Strawinsky

Es gilt als eines der Schlüsselwerke der Moderne: Hundert Jahre nach der Entstehung von Igor Strawinskys »Le Sacre du Printemps« beschäftigt sich Sasha Waltz im Auftrag des Mariinsky Theaters mit diesem außergewöhnlichen Werk der Tanz- und Musikgeschichte.

Der Titel wird mit »Das Frühlingsopfer« oder »Die Frühlingsweihe« übersetzt. Die archaisch anmutende, spannungsreiche und kantige Komposition zeichnet sich aus durch eine stark betonte Rhythmik, jähe Einbrüche und die Übereinanderschichtung sich beständig wiederholender musikalischer Motive. Zahlreiche fast geräuschhafte Dissonanzen und der expressionistische Klangeindruck machten das Werk zu einem der bekanntesten Musikstücke der modernen Avantgarde.

Bereits in einigen der früheren Stücke von Sasha Waltz klingen Motive und Themenkomplexe aus »Sacre« an. »Na Zemlje« (»auf Erde«), eine deutsch-russische Produktion von 1999, thematisiert das Verhältnis des Menschen zur Natur und die Natur im Menschen. In »Jagden und Formen (Zustand 2008)« zur Musik Wolfgang Rihms treffen zwei Gruppen in Gestalt der Musiker und Tänzer aufeinander. Ihre Körperlichkeit und Dynamik in der Choreographie korrespondieren mit der Komplexität der Komposition, verdichten sich zu »Jagden« und »Formen«. In »Continu« erforscht Sasha Waltz die archaischen Momente im Verhältnis des Einzelnen zur Gemeinschaft. Die Choreographie ist geprägt durch die Wucht der Musik von u.a. Varèse und Xenakis und durch das Spannungsfeld choreographischer, musikalischer und bildnerischer Energieströme. Wie ein roter Faden zieht sich die Frage nach den Kräften und Dynamiken, die zwischen Gruppen und Einzelnen entstehen können, ob von wuchtiger Gewalt oder leiser Zärtlichkeit geprägt, durch diese Arbeiten von Sasha Waltz. »Sacre« setzt die Reihe fort und erforscht mit 26 Tänzern das Wesen und die Position des Opfers in der Gesellschaft.

Im Kreationsprozess spürte Sasha Waltz den Energien nach, die entstehen, wenn eine Krise in eine Gemeinschaft einbricht. Leben und Tod rücken durch die Bedrohung nah aneinander, der ewige Kreislauf von Sterben und Neubeginn verdichtet sich. Der sich zuspitzenden, unabwendbar scheinenden Bedrohung steht ein Ritus gegenüber, der die Hingabe und die Bereitschaft eines Individuums verlangt, das Opfer für die Gruppe auf sich zu nehmen. In der Dramaturgie Strawinskys diente das Frühlingsopfer der Wiederbelebung der vom Winter leblos erstarrten Erde. Bei Sasha Waltz gilt es nicht nur, das Leben wiederzuerwecken, sondern die Zerstörung der Natur zu sühnen. Gewaltige Kräfte wirken auf die versehrte und brüchige Erde. Die verdrängte Natur manifestiert sich in einer Entfesselung der Triebe des Einzelnen und der Gruppe.

Seit langem interessieren mich archaische Mythen und Riten, die die Macht und erhabene Ordnung der Natur beschwören. In unserer heutigen hochtechnisierten Welt erscheinen Naturgewalten fast nur noch in Form von Katastrophen. Rituale hingegen bilden die zyklische Struktur der Natur ab und thematisieren das Verhältnis des Menschen zu seinen Ursprüngen. Der Glaube und Bezug zu einer höheren Ordnung werden gestärkt, der Einzelne opfert sich zum Wohle der Gemeinschaft. Mit der Choreographie zu »Le Sacre du Printemps« von Strawinsky habe ich die Möglichkeit, diesem Stoff ein ganzes Stück zu widmen.

Sasha Waltz
Januar 2013