Ein Rückblick – »Continu« in Rom

Der Winter hält Einzug in Berlin und wir denken in diesen Tagen noch einmal besonders gern an Rom zurück … »Continu« von Sasha Waltz war am 2. und 3. Oktober zu Gast beim Festival »Romaeuropa«.

Die ewige Stadt empfing uns mit strahlend blauem Himmel und 26°C – sie schenkte uns unseren ganz persönlichen Abschied vom Sommer und zwei begeistert aufgenommene Vorstellungen im Auditorium Conciliazione. Unweit des Papstpalastes, mit Blick auf den Petersplatz, entstand zwischen Bühne und Publikum ein intensiver Kontakt – vielleicht auch, weil »Continu« ein Stück weit »nach Hause« kam? Sasha Waltz hatte es nach ihrem Aufenthalt in der Villa Massimo und dem Dialoge-Projekt im MAXXI Museum in Rom 2009/2010 kreiert. 2.300 Zuschauer gingen mit uns auf Sashas »Reise durch Zeit und Raum« (La Repubblica) und feierten »Continu« mit Standing Ovations, ließen sich voll und ganz ein auf Musik und Choreographie, die besonders im ersten, längeren, »schwarzen« Teil oft eine brutale Kraft entwickelt und im Ganzen als eine der abstraktesten Arbeiten von Sasha Waltz gilt.

»Ein Krieg ohne Ende: das, was wir sind und was wir sein wollen, was wir können und was wir werden.
 Hände und Beine zusammen, Köpfe schütteln Seelen, Seelen schütteln Körper, das Publikum schüttelt die Flügel und es atmet mit dem Tanz« schreibt uns Emiliano Passaro, Sprachstudent am Goethe-Institut Rom, dann auch als Nachtrag auf die Einladung zu »Continu«.
Im Rahmen unserer Aktivitäten als EU-Kulturbotschafter 2013 konnten wir fünf Kursteilnehmer zu einer der Vorstellungen einladen. Über die persönlichen Eindrücke von ihm und seiner Kommilitonin Nuria Calduch-Benages freuen wir uns besonders. Dank an dieser Stelle noch einmal für die bei uns eingegangenen Texte.

»Der Körper ist das Grab der Seele«, sagte Platon. Nachdem man Sasha Waltz »Continu« gesehen hat, kann man die berühmte Formulierung des Philosophen verändern: »Der Körper ist der Sprecher der Seele«.

Keine Geschichte zu erzählen, keine Melodie zu spielen. Die Wörter, die ich suche, sind nicht da. Die Noten, die ich suche, sind nicht da, oder? Und wo sind die leuchtenden Farben? Nur Körper, Körper, Körper. Ihre Bewegung und ihr Atem. Die Bewegung der Körper erfüllt den Raum und zieht alle Blicke an. Arme, Hände, Beine, Köpfe, Füsse… tanzen mit dem Leid, mit dem Tod, mit dem Leben, mit der Liebe, mit der Natur. Sie umarmen und streiten, streicheln und halten ab. Gruppe und Einzelne, Macht und Überwindung. Ich schauderte bei den Szenen und fühle die Spannung des Wessen und des Lebens.

Die Sprache des Körpers ist universell. Alle Menschen verstehen sie ohne Wörterbuch und ohne Übersetzung. Der »Europäischen Kulturbotschafter 2013« hat es gut bewiesen. Glückwunsch!
(Nuria Calduch-Benages)