taz 25.02.02
Weniger werden, mehr werden
Katrin Bettina Müller
Noch in keinem Stück aber ist der Tod so sanft aufgetreten wie in noBody von Sasha Waltz. Denn die Angst und die Bedrohung sind zum großen Teil hineinverlagert in den Klangteppich, den Hans Peter Kuhn hoch über der tiefen Bühne und den Köpfen der Zuschauer zusammenbraut. Der versetzt uns in ein gigantisches Kraftwerk, an den Fuß einer Rakete kurz vor dem Start...In der Spannung zwischen den chorischen Partien und den Ausbrüchen einzelner aus den Gruppen, stellt es in einem großen choreografischen Bogen den ständigen Zufluss und Abfluss von Energie dar.
Berliner Morgenpost 25.02.02
Die Toten tanzen mit den Lebenden: Sasha Waltz’ furiose Uraufführung von »noBody«
Peter Hans Göpfert
Waltz beschwört Trauma und Erlösung des Sterbenmüssens in Trance und explosiver Entladung. Mit diesem Abend geht Sasha Waltz bis an die Grenzen ihrer choreografischen Möglichkeiten. Sie ist wieder die Nummer Eins an der Schaubühne.
zitty 07-10./03/02
noBody
Constanze Klementz
Wie lässt man Körper vom Jenseits des Körpers sprechen? Man stülpt Äußeres ein und Inneres nach außen. Ihr Ensemble behandelt Sasha Waltz als abstrakten multiplen Organismus, der aus oft einfachsten Bewegungen – Gehen, Springen, Stehen – komplexe Strukturen entwirft. Doch die schlichten, offensichtlichen Formen umspielen nur den eigentlichen Raum der Choreografie. Die treibende Spannung liegt im Verborgenen, mal im Halbdunkel der Bühne, mal hinter den verschlossenen Augen eines somnambul in sich hinein schauenden Gesichtes. Das bunte Treiben ist nur die Spitze des Eisberges, der innerlich wächst, ist der Nachhallunzähliger winziger Entladungen im Mikroskopischen. In Blicken. Oder in emotionalen Spannungen. Lange fasziniert allein dieses Spiel zwischen Körper und Masse verschlossener Bewegtheit und der Bewegung als nüchtern-schöner Raumskulptur.